Die Unternehmerperson ist das Gesicht nach außen und der Kopf nach innen. Ihre Einstellung beeinflusst den Erfolg enorm.

„Wenn man nicht alles selbst macht“ – die Unternehmerperson

Die Unternehmerperson als Kopf, Herz und Gesicht eines Geschäfts. Selbst und ständig. Allzeit bereit und alles wissend. Erfolgreich, perfekt, fehlerlos. Fleißig, vollkommen und unfehlbar. Stets gerecht, umsichtig, am Puls der Zeit. Stets ein Ausbund an Fröhlichkeit und Zuversicht. Nun die erschütternde Wahrheit: eine Unternehmerperson ist ein Mensch.

Puh, das muss man erstmal verdauen. Dass die Unternehmerperson irgendwie an der Spitze des Unternehmens steht, ist hinreichend bekannt. Aber was heißt das konkret und was sagt die Wissenschaft dazu? In der Volkswirtschaftslehre ist die Arbeit des Unternehmers ein Produktionsfaktor, wie die drei Klassiker Arbeit, Boden und Kapital. Diese allein, können aber keine Produkte oder Dienstleistungen herstellen. Dafür braucht es eine kombinierende Leistung, nämlich die Unternehmerleistung, die dieses optimal zusammenführt.

Die Betriebswirtschaftslehre, beschreibt die Unternehmerperson durch ihre Funktionen: Organisation, Leitung und Planung. Dabei ist sie selbstständig, weisungsbefugt, eigenverwantwortlich, auf eigene Gefahr und eigenes Risiko. Ich bin Betriebswirtin, die funktions- und prozessorientierte Denkweise mit ihren Vorteilen im unternehmerischen Alltag (Arbeitsorganisation und Effizienz) sind mir sehr nah und einleuchtend. Was mir bei der ganzen BWL und ihrer optimalen Darstellung von Unternehmensprozessen jedoch fehlt (schon im Studium), ist die realistische und praxisnahe Betrachtung der Kleinstunternehmen.

Für mich war die Aussage eines BWL-Professors an der Uni genau zu dieser Sichtweise, eine Schlüsselerkenntnis, die mir zeigte, dass ich definitiv in das Lager der realistischen Pragmatiker gehöre: „Wenn ich hier von Unternehmen spreche, spreche ich von richtigen Unternehmen. Und nicht von denen, bei denen der Geschäftsführer auch gleichzeitig Hausmeister und Putzfrau ist.“ Wie bitte? Richtige Unternehmen? Die klein- und mittelständischen Unternehmen machen mit über 99 % immerhin den Löwenanteil der deutschen Wirtschaftsstruktur aus! Nach dem Statistischen Bundesamt, gibt es in Deutschland etwa

  • 6000 Unternehmen mit mehr als 500 Erwerbstätigen,
  • 12.000 Unternehmen mit mehr als 250 Erwerbstätigen,
  • 55.000 Unternehmen mit 50 bis 249 Erwerbstätigen,
  • 257.000 Unternehmen mit 10 bis 49 Erwerbstätigen und
  • mehr als 2,5 Millionen (!!!) unter 9 Mitarbeitern – die Kleinstunternehmen.

So viel zum Thema Theorie und Praxis treffen aufeinander. Wie soll ich denn mit weniger als neun Menschen alle lehrbuchmäßigen Funktionen eines BWLer-Traumunternehmens darstellen?

Das heißt konkret, dass die Unternehmerperson nicht nur das Wagnis trägt, mit Leib und Seele haftet, für alles und jeden verantwortlich zeichnet, selbst im Tagesgeschäft an der Wertschöpfung mitarbeitet und am Wochenende auch noch die Handtücher zum Waschen mit nach Hause nimmt oder kleine Reparaturen durchführt. So sieht es nämlich im echten Leben aus.

Die Unternehmerperson als Vorbild

Die Bedeutung der Unternehmerperson für den Unternehmenserfolg ist demnach sehr hoch. Hat sie einen Hänger, ist geknickt und demotiviert, lässt es schleifen, spürt man dies gleich an allen Ecken und Enden. Sie ist Dreh- und Angelpunkt für die Unternehmenskultur, den Umgang untereinander und mit Kunden. Je nachdem wie personenbezogen ein Angebot ist, kann man sogar so weit gehen zu sagen, dass ein Kunde nicht das Produkt oder die Leistung kauft, sondern quasi die Unternehmerperson.

Auch im Verhalten der Mitarbeiter spiegelt sich die Haltung der Geschäftsführung wider. Erlebt ein junger oder neuer Mitarbeiter, dass schlecht über Kunden gesprochen wird, sobald sie aufgelegt oder das Geschäft verlassen haben, wird er dies sehr schnell ebenso halten. Lässt man Kunden bei Reklamationen erst einmal auflaufen und ist unfreundlich, wird dies kopiert. Arbeitet die Unternehmerperson nachlässig, hält keine Ordnung, legt eine ‚ist-doch-egal‘-Haltung an den Tag, werden Mitarbeiter davon ausgehen, dass dieser Anspruch gleichsam für ihr Arbeitsverhalten gilt. Lehnt der Kopf des Unternehmens Neuerungen und Veränderungen ab, wird dies auch das Team tun.

Noch viel wichtiger ist jedoch die aufrichtige Wertschätzung, welche die Unternehmerperson den Mitarbeitern entgegen bringt. Die Kraft der Wertschätzung wurde in einer Studie untersucht: Werden Wertschätzung und Zugehörigkeit bis hin zum letzten Mitarbeiter signalisiert – durch einen Gruß, Dank oder Lob im geschäftlichen Alltag – entsteht bei allen Beteiligten das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zu leisten und dazuzugehören. Durch kleine Gesten der Freundlichkeit und Dankbarkeit kann jeder Mensch etwas bewirken.

Bleiben Wertschätzung, Dank und Lob jedoch aus, sinken Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter stark. Das kann bis zu gezielter Sabotage gehen, um „der Geschäftsführung eins auszuwischen“ – da habe ich ungeheuerliche Sachen erlebt. Einerseits ist dies für jeden einzelnen sehr traurig, denn immerhin ist Arbeitszeit auch Lebenszeit und die sollte man so angenehm wie möglich verbringen. Andererseits gehen durch Demotivation sehr viel Effizienz, gute Ideen und Weiterentwicklung im betrieblichen Alltag verloren. So kann ein Unternehmen auch den Anschluss verlieren und in Schwierigkeiten geraten. Zudem sind demotivierte und frustrierte Mitarbeiter in Krisenzeiten häufig nicht mehr bereit für Veränderungen oder besonderen Einsatz – „Warum sollte ich denen jetzt helfen?“

Die Arbeit am Team und der Unternehmenskultur ist wichtig. In Krisenzeiten und am besten schon vorher. Man kann das (geschäfliche) Leben mit kleinen Veränderungen umkrempeln, man muss nicht alles über den Haufen werfen und sich neue Mitarbeiter suchen, wenn man merkt, dass es im Miteinander klemmt. Mit regelmäßiger gezielter Aufmerksamkeit, wird man seiner Vorbildrolle für einen wertschätzenden Umgang gerecht:

  • tägliche Rituale, wie sich morgens freundlich zu begrüßen
  • Zeit für informellen Austausch, zum Beispiel ein Mal im Monat ein gemeinsames Frühstück
  • offen informieren – die Mitarbeiter müssen nicht alles wissen, aber sie sollten aktiv einen Überblick über anstehende Projekte, Aufträge und Pläne bekommen (z.B. wöchentliche kurze Teamsitzung)
  • persönliche Entwicklungsgespräche – ein Mal im Jahr sollte ein Einzelgespräch stattfinden, in dem Zufriedenheit, Wünsche und Ziele besprochen werden
  • regelmäßiges Bedanken und Loben für die Arbeit, den Menschen etwas zutrauen und ihnen Raum lassen – viele wachsen dann über sich hinaus. Schließlich hat man die Mitarbeiter um die Arbeit zu teilen.

Auch wenn wir das oft glauben: Man wird durch materiellen Besitz oder äußere Begebenheiten nicht glücklicher, so der Sozialpsychologe Ap Dijksterhuis. Stattdessen sind es sinnstiftende Tätigkeiten und das Gefühl der Verbundheit mit anderen, die sich nachhaltig positiv auf die Lebenszufriedenheit auswirken.

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