Soll ich das Buch wirklich zuklappen? Soll ich meine Selbstständigkeit aufgeben?

Selbstständigkeit aufgeben: 4 wichtige Fakten

Jeder kommt einmal an den Punkt die Selbstständigkeit aufgeben zu wollen. Das ist völlig normal. Die Gründe sind vielfältig, aber Überforderung, ausbleibender Erfolg oder Krankheit stehen ganz oben auf der Liste. Als sei das noch nicht belastend genug, gibt es zumeist ein vorherrschendes Gefühl: Scham. Angst, als Versager dazustehen, wenn man seine Selbstständigkeit beenden möchte. Sagen wir wie es ist: Es gibt in Deutschland keine Kultur des Scheiterns, keinen Spielraum für Fehler. Es gibt nur (Erfolg)Reiche oder Pleitegeier. Über die vielen Phasen dazwischen, die ganz kleinen Unternehmer die sich ihre eigene Existenz durch sehr viel Arbeit sichern oder die vielen Talfahrten in einem unternehmerischen Lebenszyklus, wird nicht gesprochen.

Als sei es selbstverständlich, dass man still vor sich hin leidet wenn die eigene Existenzgrundlage bedroht ist. Und als sei es irgendwie verwerflich oder zeuge gar von Unfähigkeit, wenn man Fehler gemacht hat, die einen in diese Lage gebracht haben. Selbstständigkeit und Unternehmensführung lernt man nämlich nicht in der Schule wie ein Gedicht oder den Dreisatz. Das lernt man durch Erfahrung und ständige Weiterentwicklung – ja, auch durch teure und schmerzhafte Erfahrungen. (Selbst ein einschlägiges Studium ist alles andere als ein Garant für stetigen Erfolg – mehr dazu in meinem Online-Vortrag, in dem ich unverblümt von meinen eigenen Fehlern erzähle.)

Was soll man also mit launigen Sprüchen wie „Man muss die Krise als Chance nutzen“ anfangen, wenn man um seine Existenzgrundlage ringt oder gerade ein Lebenstraum zu zerplatzen droht? Ist das überhaupt möglich, eine Krise als Chance zu sehen? Oder muss ich das Buch zuklappen, die Tür ein letztes Mal zuschließen, wenn ich in Schwierigkeiten gerate? Ich möchte in diesem Blogbeitrag einige ungeschönte Tatsachen festhalten, aber auch hoffnungsvolle Anregungen dazu geben:

Soll ich das Buch wirklich zuklappen? Soll ich meine Selbstständigkeit aufgeben?

Selbstständigkeit beenden: Wie ist das, wenn man mit Selbstständigkeit scheitert?

Zuerst die vier wichtigsten und ungeschönten Tatsachen:

  1. Ist man Freiberufler, Selbstständiger, Einzelunternehmer (natürliche Person) oder auch in einer Geschäftspartnerschaft (Personengesellschaft) haftet man für alle eingegangenen Verträge selbst und persönlich. Miete, Telefon, Handy, Auto, Leasing, Krankenversicherung, usw. – man muss für alles gerade stehen, was man abgeschlossen hat. Dies gilt auch, wenn man die Selbstständigkeit vor Ablauf der Vertragslaufzeit beenden möchte!
  2. Und die Verpflichtungen gelten ebenso weiterhin, wenn man von der Selbstständigkeit zurück ins Angestelltenverhältnis geht! Eine vorzeitige Kündigung „wegen Geschäftsaufgabe“ ist in den allermeisten Fällen nicht möglich – da gibt es bei geschäftlichen Verträgen einen deutlichen Unterschied zum Verbraucherrecht.
  3. Genauso wenig gibt es einen Anspruch auf Arbeitslosengeld nach der Selbstständigkeit. Natürlich gibt es die Möglichkeit der Freiwilligen Arbeitslosenversicherung, bei der man selbst monatlich einen Beitrag an die Arbeitsagentur zahlt (was sonst vom Arbeitgeber übernommen wird), aber sehr viele verzichten darauf oder versäumen die Frist – man muss sich nämlich innerhalb der ersten drei Monate der Selbstständigkeit für die Freiwillige Arbeitslosenversicherung anmelden.
  4. Bei all dem spielt es keine Rolle, ob man die Selbstständigkeit wegen Krankheit, fehlenden Kunden, privater Umstände oder Überforderung aufgeben möchte! Man muss für seine Verbindlichkeiten und Verträge gerade stehen.

Wenn man ein Unternehmen gründet, sollte man also unbedingt darauf achten, so wenig Verpflichtungen wie möglich einzugehen. Ebenso, wenn das Unternehmen wächst oder die Selbstständigkeit ausgebaut werden soll. Ein zu hoher Kostenapparat kann schnell zu ernsten Schwierigkeiten führen! „Was ich mir ohne Kredit nicht leisten kann, kann ich mir nicht leisten“ ist dabei ein wichtiger Leitspruch.

Bevor man final entscheidet, die Selbstständigkeit zu beenden, muss man (allerallerspätestens dann!) einen genauen Überblick haben, wo welcher Vertrag noch wie lange läuft. Wann sind Kündigungsfristen, gibt es ein Sonderkündigungsrecht, etc. Kurzum: eine Summe unter dem Strich ziehen und dann abwägen, wie man dies beispielsweise in einem Angestelltenverhältnis bedienen kann, bis die Verträge auslaufen. So kommt man zumindest finanziell sauber raus.

Nun zum Scheitern an sich:

In der Selbstständigkeit gibt es viele Herausforderungen, die Unternehmerinnen und Unternehmer bewältigen müssen. Von der ständigen Suche nach Kunden und Aufträgen, über Organisation, Bürokratie oder Hausmeistertätigkeiten in Eigenleistung, bis hin zur Bewältigung finanzieller Unsicherheiten, ist der Weg zum Erfolg oft steinig. Manchmal zu steinig.

Die Entscheidung, die Selbstständigkeit aufzugeben, ist niemals leicht und sollte vor allem vor dem Hintergrund der oben genannten Verpflichtungen, gut überlegt sein. Es kann verschiedene Gründe geben, warum jemand diesen Schritt in Erwägung zieht. Manchmal ist es aufgrund einer Krankheit oder anderer persönlicher Umstände nicht mehr möglich, die Selbstständigkeit fortzuführen. Die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden sollten immer oberste Priorität haben. Das gilt auch für den Fall, dass sich der geschäftliche Erfolg schlichtweg nicht einstellen will. In solchen Fällen ist es wichtig, sich selbst nicht zu verurteilen:

Jeder – wirklich jeder – der den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat und daran arbeitet, seinen Traum zu verwirklichen oder für seine eigene Existenzgrundlage sorgt, verdient ungetrübten Respekt. Und jeder, der nach einer Zeit zu dem Ergebnis kommt, dass die Sache in der Realität ganz anders aussieht als gedacht und die Selbstständigkeit beenden möchte, ist nicht gescheitert, sondern kann verdammt stolz auf sich sein, es versucht zu haben! Diesen Erfahrungsschatz nimmt einem niemand mehr.

Zurück in die Anstellung und die Krise als Chance nutzen? Aber ja! Wenn man gezwungen ist oder aktiv entscheidet, die selbstständige Tätigkeit aufzugeben, kann dies Raum für eine neue Karriere oder eine andere berufliche Ausrichtung schaffen. Die Krise wird zur Chance, neue Wege zu erkunden und sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Kein Kalenderspruch! In der Business Story „Aufgeben ist auch eine Lösung“ habe ich genau solch einen Fall erlebt und beschrieben – ein happy end der anderen Art.

Selbstständigkeit aufgeben wegen Krankheit

Auch hier möchte ich zunächst auf ein paar existenzielle Tatsachen hinweisen: Für gewöhnlich gibt es für den Krankheitsfall kein Netz oder doppelten Boden.

  • Ist man krank oder fällt aus, hat man als Selbstständiger zumeist einen Verdienstausfall. Es gibt keine Lohn-/Gehaltsfortzahlung, wenn man ein paar Tage oder Wochen krank ist. Oder bei längeren Erkrankungen Krankengeld, wie in einem Angestelltenverhältnis. Wobei es die Möglichkeit gibt, letzteres bei der Krankenversicherung mitzuversichern. Aber seien wir ehrlich: wenn man als Freiberufler oder Einzelunternehmer erst einmal sechs Wochen ausfällt und keine Rechnungen stellen kann, stehen die meisten eh schon mit dem Rücken an der Wand. Und von was lebt man in den sechs Wochen bis der Anspruch aufs Krankengeld greift? Glück hat, wer Rücklagen hat.

Regelmäßig ist genau dies das Szenario, das Selbstständige in die Situation bringt, ein Einzelunternehmen auflösen oder die Selbstständigkeit aufgeben zu müssen: die gerissene Lücke durch einen Verdienstausfall kann einfach nicht gefüllt werden und wird mitgeschleppt. Sehr häufig habe ich in meinem Beratungsalltag erlebt, dass die Erkrankung der Unternehmerperson, welche die Existenzgrundlage auf diese Weise gefährdet, eine tiefe Erschöpfung ist. Durch Überarbeitung oder auch tiefe Enttäuschung.

Selbstständigkeit aufgeben, weil es einfach zu viel ist oder der Erfolg ausbleibt

Auch hier gilt: Wenn man merkt, dass einen die eigene Selbstständigkeit krank oder unglücklich macht, darf man selbstverständlich frei entscheiden, sie aufzugeben. Natürlich ist es traurig, wenn man merkt, dass die Realität völlig anders aussieht, als man es sich ausgemalt hat. Aber man hat es versucht, hat eine riesige Erfahrung dazu gewonnen und darf nun neue Wege gehen. Ohne Scham, ohne Versagen, einfach so, weil es richtig ist.

Noch einmal der Hinweis zu oben: Ob man die Selbstständigkeit schlussendlich wegen Krankheit, fehlenden Kunden, privater Umstände oder Überforderung aufgeben möchte, spielt für die eingegangenen Verpflichtungen keine Rolle. Man muss für seine Verbindlichkeiten und Verträge gerade stehen.

Jasmin Möser ist die Expertin für den Aufbau einer stabilen Selbstständigkeit. Zum Kennenlernen bietet sie ein Paket aus signiertem Buch über Unternehmenserfolg, ein Hörbuch mit Beispielen aus der Praxis, sowie ein Video über ihren eigenen Business Crash. Nur exklusiv zu diesem Paket gibt es einen Gutschein für ein kostenloses Erstgespräch.

Wirklich die Selbstständigkeit beenden oder wie genau kann ich die Krise als Chance nutzen?

Nun kommen wir zurück zur ursprünglichen Frage: Ist es Zeit, die Selbstständigkeit aufzugeben oder gibt es eine Chance, die Krise als Wendepunkt zu nutzen?

Eine Krise kann als eine Art Katalysator wirken und den Weg für neue Möglichkeiten ebnen. Eine solche Neuausrichtung erfordert jedoch Flexibilität und die unbedingte Bereitschaft für Veränderungen. Das Schwierigste: Man muss genau hinschauen, was man bis hier hin vielleicht falsch oder zumindest nicht optimal gemacht hat. Denn immerhin gibt es einen Grund, dass man da steht, wo man steht. Möchte man die Selbstständigkeit vorführen, MUSS in Zukunft etwas anders gemacht werden, sonst kommt man schnell an den gleichen Punkt. Es erfordert Reflektion, Selbstkritik, Mut und Durchhaltevermögen, um neue Wege zu beschreiten.

Neben der persönlichen Entwicklung kann die Krise wie zuvor beschrieben die Möglichkeit bieten, das eigene Geschäftsmodell zu überdenken und zu verbessern. Oftmals sind es die schwierigen Zeiten, die uns dazu zwingen, unsere Strategien zu überdenken und neue Lösungsansätze zu finden. Und oftmals wird es danach besser als je zuvor! Natürlich nur, wenn zu Veränderungen bereit ist.

Eine weitere wichtige Komponente, um die Krise als Chance zu nutzen, ist ein starkes Netzwerk. Durch den Austausch mit anderen Selbstständigen und Experten können neue Ideen entstehen und wertvolle Unterstützung gewonnen werden. Ein starkes Netzwerk kann helfen, den Blick über den Tellerrand zu wagen und neue Perspektiven einzunehmen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, nicht alleine zu sein, sondern auf die Unterstützung anderer zählen zu können. Dafür muss man allerdings offen mit seinen Herausforderungen oder der akuten Krise umgehen, was ebenfalls viel Mut erfordert.

Neben den individuellen Möglichkeiten birgt eine Krise auch gesellschaftliche Potenziale. In Zeiten von Umbruch und Veränderung entstehen oft neue Bedürfnisse und Nischen, die es zu erkennen und zu bedienen gilt. Wer in der Lage ist, diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen und sich anzupassen, kann neue Marktchancen nutzen und sein Unternehmen erfolgreich positionieren. In den Corona-Jahren haben etliche Unternehmen sehr kreative und kundenorientierte Lösungen entwickelt, die auch danach fest zum Angebot gehören, weil es die Kunden lieben. Ein Büchertaxi einer Buchhandlung zum Beispiel oder Take away Fenster in Restaurants. Simpel, aber in Sachen Service und Wünsche auf den Kunden ausgerichtet.

Die Fähigkeit, eine Krise als Chance zu sehen, ist zweifelsohne die Königsdisziplin der Selbstständigkeit. Es erfordert eine positive Einstellung, den Mut, neue Wege zu gehen, und die Bereitschaft, aus den Erfahrungen zu lernen. Und die eigenen Fehler einzusehen – zweifelsohne der Teil, der am meisten weh tut. Eine Krise muss nicht das Ende der Selbstständigkeit bedeuten, sondern kann ein Wendepunkt sein, der zu neuen, besseren Möglichkeiten führt. Dafür muss man aber richtig die Ärmel hochkrempeln und den Laden auf Vordermann bringen!

Insgesamt ist die Fähigkeit, eine Krise als Chance zu sehen, ein essenzieller Bestandteil der Selbstständigkeit. Selbstständigkeit aufgeben muss nicht sein – darf es aber, wenn es einfach die beste Lösung ist und meine seine eingegangenen Verpflichtungen sauber regelt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und allzeit gute Geschäfte.
Ihre Jasmin Möser

PS: Wenn es klemmt und kriselt, ist es Zeit für frischen Input und konkrete Hilfestellung. Ganz einfach. Zu sagen „Ich brauche Hilfe“ zeugt von Größe und Realitätssinn – und nichts anderem.


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