Folge 52: Ich bin mit meiner Selbstständigkeit überfordert

Der Video-Podcast mit PLOPP-Effekt für Selbstständige und kleine Unternehmen. Tipps & Stories rund um Finanzen, Selbstmanagement und Selfcare – die drei Themen, die Selbstständige umtreibt. Kurz. Knackig. Pragmatisch. Jeden Mittwoch.
Mit Jasmin Möser – Die mit dem PLOPP-Effekt fürs Business.


Wenn sich deine Selbstständigkeit gerade nach Chaos anfühlt, liegt das nicht unbedingt daran, dass du zu wenig kannst oder grundsätzlich schlecht organisiert bist. Oft sind es einfach zu viele offene Gedanken, Aufgaben und Sorgen gleichzeitig – und der erste Schritt zurück zu mehr Überblick ist überraschend unkompliziert: Stift und Papier.


Chaos im Kopf? So bekommst du dein Business wieder besser in den Griff

Es gibt diese Phasen in der Selbstständigkeit, in denen einfach alles gleichzeitig auf einen einprasselt.

Du arbeitest eigentlich den ganzen Tag, beantwortest Mails, kümmerst dich um Kundinnen und Kunden, erledigst Kleinigkeiten und springst von einer Aufgabe zur nächsten. Trotzdem bleibt am Ende des Tages dieses ungute Gefühl: Ich habe zwar viel gemacht, aber ich habe nichts wirklich im Griff.

Und dann kommt der Abend.

Du liegst im Bett, möchtest eigentlich schlafen und plötzlich geht es los. Da war doch noch diese Rechnung. Ich müsste endlich meine Rücklagen für die Steuer prüfen. Die Website wollte ich doch überarbeiten. Der Social-Media-Beitrag müsste auch noch geplant werden. Und der Schreibtisch sieht mittlerweile so aus, dass ich eigentlich erst einmal aufräumen müsste, bevor ich morgen überhaupt sinnvoll arbeiten kann.

Je mehr dir einfällt, desto größer wird das Gefühl der Überforderung.

Das ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Gerade wenn du selbstständig bist, trägst du viele Rollen gleichzeitig. Du bist nicht nur für deine eigentliche Arbeit zuständig, sondern auch für Marketing, Buchhaltung, Organisation, Kundenkommunikation, Planung, Technik und all die kleinen Aufgaben, die niemand sieht, die aber trotzdem erledigt werden müssen.

Wenn dann noch private Themen, Sorgen oder unerwartete Herausforderungen dazukommen, kann sich das schnell so anfühlen, als hättest du deinen eigenen Laden nicht mehr im Griff.


Warum Gedanken im Kopf so schwer werden

Das Schwierige ist: Gedanken lassen sich im Kopf schlecht sortieren.

Du kannst dir das ein bisschen so vorstellen, als würdest du versuchen, Wasser mit deinen Händen aufzufangen. Du bekommst immer nur einen Teil zu fassen, aber vieles läuft dir sofort wieder durch die Finger. Und während du versuchst, einen Gedanken festzuhalten, kommt schon der nächste dazu.

Schreiben ist in diesem Moment wie ein Glas.

Du gibst deinen Gedanken einen Ort, an dem sie bleiben können. Sie müssen nicht weiter ununterbrochen durch deinen Kopf kreisen, weil du weißt: Ich habe sie aufgeschrieben. Ich verliere sie nicht. Ich kann mich später darum kümmern.

Deshalb bin ich ein großer Fan davon, Dinge aufzuschreiben und sichtbar zu machen. Nicht, weil du danach sofort einen perfekten Plan brauchst. Sondern weil du erst einmal Klarheit darüber brauchst, was dich eigentlich gerade belastet.


Schreib erst einmal alles auf

Nimm dir ein Blatt Papier, einen Block oder ein leeres Notizbuch und schreib alles auf, was gerade in deinem Kopf herumspukt.

Wirklich alles.

Du musst dabei nicht ordentlich formulieren, priorisieren oder direkt entscheiden, ob etwas wichtig ist. Es geht nicht darum, die perfekte To-do-Liste zu schreiben. Es geht darum, deinen Kopf zu entlasten.

Vielleicht stehen auf deiner Liste Dinge wie:

  • Ich muss meine Steuer-Rücklage überprüfen.
  • Ich sollte endlich meine Altersvorsorge regelmäßig besparen.
  • Meine Website braucht eine Überarbeitung.
  • Ich müsste wieder sichtbarer werden und mein Marketing besser planen.
  • Ich habe noch offene Rechnungen.
  • Ich will ein Angebot fertigstellen.
  • Ich muss eine Kundin zurückrufen.
  • Mein Schreibtisch ist zu voll.
  • Ich brauche endlich eine bessere Ablage.
  • Ich habe seit Wochen keinen Überblick über meine Zahlen.
  • Ich müsste mir eigentlich Zeit nehmen, meine nächsten Wochen zu planen.

Vielleicht kommen auch Sorgen dazu, die sich nicht sofort als Aufgabe lösen lassen. Finanzielle Unsicherheit. Zweifel am eigenen Angebot. Die Frage, ob genug neue Kundinnen und Kunden kommen. Das Gefühl, dass alle anderen es besser im Griff haben.

Auch diese Gedanken dürfen auf dein Papier.

Manchmal merken wir erst beim Aufschreiben, wie viele unterschiedliche Themen wir eigentlich gleichzeitig mit uns herumtragen. Finanzen, Marketing, Kundinnen, Ordnung, Planung, private Belastungen und hundert kleine offene Schleifen.

Kein Wunder, dass sich das irgendwann nach zu viel anfühlt.


Du musst nicht alles sofort lösen

Wenn alles auf dem Papier steht, geh einen Schritt zurück und schau dir deine Liste an.

Vielleicht ist sie lang. Vielleicht ist sie sogar erschreckend lang. Das ist erst einmal völlig in Ordnung. Du hast nicht plötzlich mehr Aufgaben, nur weil du sie aufgeschrieben hast. Sie waren vorher schon da – sie waren nur unsichtbar und haben deshalb noch mehr Raum in deinem Kopf eingenommen.

Und jetzt kommt der wichtige Punkt: Du musst diese Liste nicht an einem Tag erledigen.

Du musst nicht sofort einen kompletten Businessplan schreiben, deine Finanzen neu strukturieren, deine Website überarbeiten und gleichzeitig dein Marketing auf Vordermann bringen.

Schau stattdessen ganz pragmatisch darauf, welche Dinge du schnell erledigen kannst.

  • Was dauert eine Minute?
  • Was dauert fünf Minuten?
  • Welche Kleinigkeit schiebst du vielleicht schon seit Tagen vor dir her, obwohl sie eigentlich sofort erledigt wäre?

Vielleicht liegt da eine Rechnung, die du nur noch versenden musst. Vielleicht musst du einer Kundin kurz antworten. Vielleicht gibt es einen Brief, der geöffnet werden sollte. Vielleicht ist der Papierstapel auf deinem Schreibtisch gar nicht so groß, wenn du dir einmal einen großen Papierkorb danebenstellst und einfach anfängst.

Diese kleinen Aufgaben lösen nicht automatisch alle Probleme. Aber sie schaffen Bewegung. Und Bewegung ist oft genau das, was wir brauchen, wenn wir uns festgefahren fühlen.


Fang mit dem an, was dich sofort entlastet

Ich bin ein großer Fan davon, bei Überforderung nicht noch komplizierter zu denken.

Wenn dein Schreibtisch dich bei jedem Blick stresst, dann räum ihn auf. Nicht, weil ein ordentlicher Schreibtisch alle wirtschaftlichen oder strategischen Herausforderungen löst. Sondern weil du dadurch einen kleinen Bereich wieder unter Kontrolle bringst.

Wenn eine offene Mail dich seit Tagen begleitet, beantworte sie kurz.

Wenn du etwas erledigen kannst, das nur wenige Minuten dauert, mach es weg.

So befreist du nicht nur deine To-do-Liste, sondern auch deinen Kopf. Jede abgeschlossene Kleinigkeit ist eine offene Schleife weniger, die im Hintergrund Energie zieht.

Wichtig ist nur: Bleib dabei realistisch.

Du musst nicht alles schaffen. Du musst nicht in einem Nachmittag dein komplettes Business sortieren. Und du musst auch nicht das Gefühl haben, dass du sofort wieder perfekt organisiert sein musst.

Es reicht, wenn du einen Schritt gehst.

Dann den nächsten.

Und dann noch einen.


Mach daraus eine kleine Routine

Diese Methode funktioniert besonders gut, wenn du sie nicht erst dann nutzt, wenn gar nichts mehr geht.

Du kannst daraus eine tägliche oder wöchentliche Routine machen. Vielleicht nimmst du dir am Ende eines Arbeitstages fünf oder zehn Minuten Zeit und schreibst alles auf, was dir noch im Kopf herumgeht. Dann musst du es nicht mit in den Feierabend nehmen.

Oder du setzt dich einmal pro Woche hin, zum Beispiel am Freitagmittag oder Montagmorgen, und machst einen kleinen Gedanken-Check-in:

  • Was beschäftigt mich gerade?
  • Welche Aufgaben sind offen?
  • Was stresst mich?
  • Was kann ich sofort erledigen?
  • Was darf geplant werden?
  • Was kann warten?

Diese wenigen Minuten können einen großen Unterschied machen. Nicht, weil du dadurch nie wieder überfordert bist. Das wäre unrealistisch. Sondern weil du dir selbst regelmäßig das Gefühl gibst, dass du hinschaust, dass du Entscheidungen triffst und dass du dein Business nicht einfach nur irgendwie über dich ergehen lässt.


Du darfst einen Gang runterfahren

Wenn du gerade das Gefühl hast, dass dir alles zu viel wird, dann ist das kein Zeichen dafür, dass du versagt hast.

Vielleicht ist es einfach ein Zeichen dafür, dass du zu lange versucht hast, alles gleichzeitig im Kopf zu behalten.

  • Nimm einen Gang raus.
  • Hol dir einen Stift und Papier.
  • Schreib auf, was dich beschäftigt.

Und dann schau ganz ehrlich: Was kann ich jetzt, heute, wirklich erledigen?

Du musst nicht perfekt sein, um deine Selbstständigkeit gut zu führen. Du musst auch nicht immer den gesamten Überblick über alles haben. Aber du darfst dir selbst helfen, indem du deine Gedanken aus dem Kopf holst und ihnen einen Platz gibst.

Manchmal beginnt das Gefühl, den eigenen Laden wieder im Griff zu haben, nicht mit einer großen Strategie oder einem neuen Planungstool. Sondern mit einem leeren Blatt Papier und dem ersten Satz, den du darauf schreibst.

Eine erfolgreiche Woche für Dich und pass auf Dich auf.

Jasmin Möser
Die mit dem Plopp-Effekt fürs Business

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Jasmin Möser ist der Host von LÄuft! Wieder... dem Podcast für Selbstständige
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Jasmin Möser (Dipl.-Betriebswirtin) begleitet Selbstständige und kleine Unternehmen durch schwierige Phasen – wenn die Existenzgrundlage gefährdet ist, hilft sie digital oder persönlich vor Ort. Ehrlich, direkt und mit einem seit 2007 hundertfach erprobten Fahrplan.

Ihre Kernthemen: Finanzen, Organisation und Motivation. Ihr umfangreiches Wissen gibt sie weiter in ihrem wöchentlichen Podcast, ihrem Buch & Webinar, in ihrem Onlinekurs und der persönlichen Beratung. Deutschlandweit.