Podcast Selbstständige: Angst vor Steuernachzahlung

Folge 39: Bringt Dich die Steuerzahlung gerade zum Schwitzen?

Der Video-Podcast mit PLOPP-Effekt für Selbstständige und kleine Unternehmen. Tipps & Stories rund um Finanzen, Selbstmanagement und Selfcare – die drei Themen, die Selbstständige umtreibt. Kurz. Knackig. Pragmatisch. Jeden Mittwoch.
Mit Jasmin Möser – Die mit dem PLOPP-Effekt fürs Business.


Draußen sind es über 30 Grad – und bei vielen Selbstständigen steigt gerade nicht nur die Temperatur, sondern auch der Puls.

Der Grund ist oft derselbe: Steuerbescheide kommen rein, Vorauszahlungen werden fällig, und plötzlich ist die Summe deutlich höher als erwartet. Gleichzeitig passt sie nicht zum aktuellen Kontostand.

Gerade jetzt im Juni ist dieses Thema besonders präsent. Die Einkommensteuervorauszahlung war fällig, das erste Halbjahr ist fast vorbei und die Abschlüsse für das vergangene Jahr liegen entweder schon vor oder kommen in den nächsten Wochen. Und genau dann wird vielen klar: Das wird eng.

Die entscheidende Frage ist also: Was tun, wenn du deine Steuerzahlung aktuell nicht leisten kannst?

So unangenehm es ist – den Kopf in den Sand zu stecken macht die Situation nur schlimmer.

Ein Steuerbescheid verschwindet nicht, wenn man ihn liegen lässt. Stattdessen folgen Mahnungen, Säumniszuschläge und im schlimmsten Fall eine Vollstreckungsandrohung. Aus einem eigentlich lösbaren Problem wird so schnell ein deutlich größeres.

Deshalb gilt: Sobald du merkst, dass es finanziell eng wird, geh aktiv in die Situation hinein.

Viele sehen das Finanzamt als Gegner – in der Praxis ist das aber selten hilfreich.

Das Finanzamt möchte, dass die Steuern bezahlt werden. Gleichzeitig besteht dort aber auch ein Interesse daran, dass das realistisch passiert.

Wenn du dich frühzeitig meldest und offen kommunizierst, dass du die Summe aktuell nicht auf einmal zahlen kannst, aber grundsätzlich zahlungsbereit bist, lassen sich in vielen Fällen gute Lösungen finden.

Der konkrete Weg ist in der Regel ein Antrag auf Stundung oder eine Ratenzahlung.

Wichtig ist dabei, dass du drei Dinge klar formulierst:

  • Dass ein kurzfristiger finanzieller Engpass vorliegt
  • Dass du zahlungswillig bist
  • Und welchen konkreten Vorschlag du machst

Ein Beispiel: Statt nur zu sagen „Ich kann das nicht zahlen“, formulierst du konkret, dass du die Summe in monatlichen Raten über einen bestimmten Zeitraum begleichen möchtest.

Der Zeitpunkt, an dem du handelst, macht einen enormen Unterschied.

Wenn du dich direkt meldest – idealerweise bevor die Zahlung fällig ist oder unmittelbar danach – sind die Chancen sehr gut, eine saubere Lösung zu finden.

Wenn du dagegen wartest, bis Mahnungen kommen oder bereits Vollstreckungsmaßnahmen im Raum stehen, wird es deutlich schwieriger.

Früh handeln bedeutet in diesem Fall mehr Spielraum und mehr Entgegenkommen.

Bevor du eine Ratenzahlung vorschlägst, brauchst du eine realistische Einschätzung deiner finanziellen Situation.

Entscheidend ist nicht, was „irgendwie gehen müsste“, sondern was tatsächlich jeden Monat zuverlässig möglich ist.

Schau dir dafür konkret an:

  • Deine aktuellen Einnahmen
  • Deine Fixkosten
  • Deine Liquidität
  • Und anstehende Zahlungen in den nächsten Monaten

Auf dieser Basis legst du eine Rate fest, die du auch wirklich einhalten kannst. Denn eine Vereinbarung bringt dir nichts, wenn sie nach kurzer Zeit wieder scheitert.

Die aktuelle Situation ist oft nur das Symptom.

Die eigentliche Ursache liegt meistens in fehlenden Strukturen:

  • Es wurden keine oder zu geringe Rücklagen gebildet
  • Die Vorauszahlungen waren zu niedrig angesetzt
  • Einnahmen schwanken stark, ohne dass die Planung angepasst wird
  • Oder es fehlt schlicht der regelmäßige Überblick über die eigenen Zahlen

Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Und genau deshalb lässt es sich auch lösen.

Wenn es akut eng ist, kannst du zusätzlich prüfen, wie du kurzfristig Geld freimachen kannst.

Typische Hebel sind:

  • Offene Rechnungen konsequent einziehen
  • Anzahlungen bei neuen Aufträgen vereinbaren
  • Bestehende Angebote aktiv nachfassen
  • Kurzfristige Aufträge bei Bestandskunden generieren
  • Kosten kritisch prüfen und reduzieren

Das ersetzt keine saubere Struktur, kann dir aber helfen, die aktuelle Situation zu überbrücken.

Eine Steuernachzahlung, die du gerade nicht leisten kannst, ist kein Weltuntergang.

Aber sie ist ein klares Signal: Dein finanzielles System ist an einer Stelle noch nicht stabil genug.

Und genau darin liegt die Chance.

Wenn du jetzt beginnst, deine Zahlen sauber zu strukturieren, Rücklagen aufzubauen und deine Steuerplanung aktiv zu steuern, wird sich dieses Thema langfristig deutlich entspannen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ein separates Steuerkonto
  • Feste Rücklagen pro Einnahme
  • Regelmäßige Überprüfung der Vorauszahlungen
  • Ein monatlicher Blick auf deine Zahlen

So wird aus einem wiederkehrenden Stressfaktor ein planbarer Bestandteil deines Business.

Wenn du aktuell in genau dieser Situation steckst, gilt vor allem eines: Handle.

Sprich mit dem Finanzamt, mach dir einen realistischen Plan und übernimm die Kontrolle zurück.

Und wenn du merkst, dass dir dafür die Struktur fehlt, dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, das zu ändern – nicht erst beim nächsten Steuerbescheid.

Eine erfolgreiche Woche für Dich.

Jasmin Möser
Die mit dem Plopp-Effekt fürs Business

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Jasmin Möser ist der Host von LÄuft! Wieder... dem Podcast für Selbstständige
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Jasmin Möser (Dipl.-Betriebswirtin) begleitet Selbstständige und kleine Unternehmen durch schwierige Phasen – wenn die Existenzgrundlage gefährdet ist, hilft sie digital oder persönlich vor Ort. Ehrlich, direkt und mit einem seit 2007 hundertfach erprobten Fahrplan.

Ihre Kernthemen: Finanzen, Organisation und Motivation. Ihr umfangreiches Wissen gibt sie weiter in ihrem wöchentlichen Podcast, ihrem Buch & Webinar, in ihrem Onlinekurs und der persönlichen Beratung. Deutschlandweit.